
Stimmt schon auch. Ich glaube trotzdem, dass die kulturelle Entfernung größer ist als viele denken. Und ja, Japan ist nochmal eine andere Nummer. War da auch mal eine Zeit lang. Soweit ich weiß, sind die meisten Maid Cafés übrigens unproblematisch. Ich war nur einmal in so einem Touriding und das war einfach nur todeslangweilig. Gibt aber sicher auch nicht so „okaye“. Habe vom Balkon eines Freundes in einem Hinterhof in Shibuya ziemlich zwielichtige Dinge vor sich gehen sehen.

Ich glaube, die Unterschiede gehen viel tiefer. Das fängt schon bei der Religion an, die dort im Alltag und in der Politik eine Rolle spielt, die bei uns kaum vorstellbar ist. Dazu kommt die tiefgehende Aversion gegen den Staat und dass der sich überall komplett raushalten soll. Meinungsfreiheit, die Aussagen schützt, für die man hier (zu Recht) verurteilt wird und ein viel präsenterer Umgang mit Rassismus, über den dort viel offener gesprochen wird, weil das Thema die ganze Gesellschaft prägt.
Das alles kommt aus der eigenen Geschichte. Die meisten US-Amis stammen von Einwanderern ab, die erst nach 1880 dort hingezogen sind, während die meisten Familien in Europa seit hunderten von Jahren hier verwurzelt sind. Die USA sind dieser “Melting Pot” aus hunderten oder tausenden eingewanderten Kulturen, plus sehr präsente Kulturen von Indigenen. Die USA haben ihre brutale Siedlergeschichte, wir den brutalen Kolonialismus. Sklaverei dort, Holocaust hier. Das sind zwar im Grunde alles ähnlich böse Dinge, wurden aber völlig unterschiedlich aufgearbeitet und prägen die Gesellschaften komplett unterschiedlich.
Edit: Hier zwei Podcasts, die mir dazu im Gedächtnis geblieben sind:
UKW136 USA: Good enough for the moment
Die sogenannte Gegenwart / “Hillbilly Elegy”: Müssen wir uns Amerika aus dem Herzen reißen?