Ein Prestigeprojekt auf der Kippe: Nachdem bekannt geworden ist, dass der Bau der geplanten Warnowbrücke in Rostock mehr als 50 Prozent teurer wird als geplant, schlägt der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern Alarm und fordert, das „Millionengrab Warnowbrücke endlich zu stoppen“. Bisher wurden die Gesamtkosten für die 540 Meter lange Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Unterwarnow von der Stadt mit etwa 62,8 Millionen Euro angegeben. Diese Kosten lassen sich nach neuesten Schätzungen nicht mehr halten, so die Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion. Dennoch will die Hansestadt an dem als „städtebaulichen Highlight“ bezeichneten Prestigevorhaben festhalten.
Bereits im Jahr 2020 wurde die Warnowbrücke im Rostocker Stadthafen als möglicher Verschwendungsfall in das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes aufgenommen. Auch im neuen Schwarzbuch, das am 1. Oktober erscheint, ist die Warnowbrücke wieder vertreten. „Vergangenes Jahr musste die Stadt Kredite aufnehmen, um Gehälter und Weihnachtsgeld zu zahlen und an dieser zweifellos schönen, aber unnötigen Brücke hält man unverrückbar fest?“, fragt der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes Sascha Mummenhoff und ergänzt: „Das kann sich Rostock nicht leisten. Wir fordern die Rostocker Bürgerschaft auf, das Projekt sofort einzustellen.“
Unterdessen sind bereits circa dreieinhalb Millionen Euro an Steuergeldern in die Planungen der Brücke geflossen. Mummenhoff kritisiert weiter: „Diese Brücke wäre für Rostock allenfalls ein Nice-To-Have, gebraucht wird sie nicht. Gebraucht werden aber Investitionen in den Hochwasserschutz, in den Radwegeausbau, in die weitere Sanierung der Neptunschwimmhalle, in die Sanierung der Eishalle, in die Sanierung von Schulen und vieles mehr. Ganz davon abgesehen hält man in Rostock mit dem Neubau des Volkstheaters an einem weiteren Millionenprojekt fest. Diese Brücke sollte in der Priorität ganz weit nach hinten rücken“, bekräftigt er.

